Wie ihr schon erahnen könnt, ist mein Problem groß, spricht immer und überall und ist somit überaus nervtötend…
Seit diesem Tagtraum (auf dieser einsamen, wunderschönen Lichtung, auf der das helle Sonnenlicht meine Haut zum Strahlen gebracht und mein Inneres aufgewühlt hat…), der mich übrigens ebenfalls nicht mehr loslässt, hat sich diese kleine, nervige überaus piepsige Stimme in mir gefestigt…
Ich nannte sie Quälgeist.. Aber wie ihr euch schon vorstellen könnt, war der kleine Mann in meinem Kopf nicht ganz einverstanden mit der Namensgebung… *Wie hast du mich genannt, Quälgeist? Mensch, ich sollte mich mal vorstellen.. Ich heiße Humphrey!*
Humphrey? im Ernst jetzt? Ne oder, das ist jetzt so ein übler Scherz… Vielleicht träume ich wirklich und wache gleich irgendwann völlig unbehelligt von irgendwelchen komischen Plagegeistern auf, die sich Humphrey nennen… Mich deuchet aber, es ist kein Traum, huh?
Nicht, das es ja reichen würde, das ich alle verflixten Gedanken hören (und die meisten will ich einfach gar nicht wissen…), nein, mein Alterego muss mich auch noch mit schwachsinnigen Kommentaren zumüllen… Ich glaub, ich krieg en Affen!
Eigentlich kann man sich ja nur noch gequält die Haare raufen… *Hey, wenn du an die Haare gehst… Großer! Ist Schicht im Schacht, im wahrsten Sinne des Wortes! Unser schönes seidiges bronzeschimmerndes Haar…*
….und schon wieder ein unsinniger Kommentar von Humphrey… Jaja, ich muss aufpassen, dass ich keine Haare rausreiße… sonst hab ich bald kein seidenweiches bronzeschimmerndes Haar mehr, sondern ne Glatze. Uärgh. Oh, dieses nevtötende Etwas!
*Ja! Uärgh! Mit Glatze findest du die Inkarnation reiner Schönheit bestimmt nie! Und wenn doch, dann will sie dich nicht mehr…*
>Ja ja gib nur deinen Kommentar ab, bin es ja langsam schon gewohnt…< stellte ich sarkastisch fest.
Mein Sehnen, welches vor einiger Zeit in mir erwachte, um genau zu sein vor exakt fünf Tagen, vier Stunden und 3 Minuten, lässt mich einfach nicht mehr los.
Ich wollte unter allen Umständen meine Schöne finden.
Nennt sie Venus.
Nennt sie Aphrodite.
Ich wollt´ ich wär ihr Zeus. Ich wollt´ ich wär ihr Jupiter.
Mein Streben nach „Leben“ und Glück beinhaltet mein Streben nach meiner Helena. Wie Paris wollt´ ich sie rauben. *Und dann mit ihr die tollsten Dinge anstellen…!*
Wie einen in der Kriegskunst erprobten Spartaner sie leidenschaftlich erobern. *Ja, ich würde auch gerne mal ihren Pass (An: Thermophylen) durchqueren… Lass mich dein Leonidas sein, du Sau! Und weißt du, was das Beste daran ist? Ich sterbe nicht am Ende….*
Doch genau hier lag meine Achilles(ferse).
Gänzlich unerfahren in Liebesdingen. Kurz, knapp, schmerzlos…na ja fast.
Oh ja, die unverdeckte Wahrheit: Ich bin eine 108-jährige Jungfrau *Aber hoffentlich nicht mehr lange, nicht wahr, Großer?*
Faktisch gesehen eines der größten Mankos, die man(n) in der heutigen Zeit haben kann. Also das mit der Jungfräulichkeit, nicht mit dem Alter… (Woher sonst weiß ich so gut, über die schönen, alten Zeiten Bescheid… *träumerischer Blick aufsetz*)
In der guten alten Zeit, hach da galt dies als der größte Vorteil, den ein Mann haben konnte. Man(n) galt als entschlossen, standhaft, loyal. Heute gilt man als Feigling, introvertiert und schlimmstenfalls homosexuell oder inkompetent.
DAS waren noch Zeiten als man noch mit Hilfe von Charme und Galanterie das Herz seiner Angebeteten erobern konnte. Heute… ach ne, ich sag jetzt besser nichts mehr ich sollte mehr auf meinen Blutdruck achten…wenn ich einen hätte…egal.
Also heute muss man(n) erst einmal eine Frau finden, welche es wert ist, dass man sie umgarnt, umschwärmt, den Boden küsst auf welchem sie wandelt und dass man sie auf ein Podest stellt um ihr zu huldigen. (Hatte ich schon mal irgendwas über mein hoffnungsloses Romantikertum erzählt?)
Diese dämlichen Schnepfen, von mir bevorzugt als Kleinstadtpomeranzen bezeichnet, die sich an ihrem pinken Kaugummi verschlucken, wenn ich in den Gängen der Highschool wandle, wären nämlich definitiv dazu im Stande von diesem imaginären Podest zu fallen und DAS soll schon was heißen. Wollt ihr mal ein paar Beispiele hören? Ja?! Passt auf:…
Neulich im Klassenraum; Unterrichtsfach Biologie: Mädchen A: „Uii, der darf auch mal gerne bei MIR ein Praxisseminar halten..“; Mädchen B (auf dem Gang): „Boah, gebt mir 15 Minuten und einen leeren Klassenraum!“; Lehrerin A (schlimm sowas!): Ob ich dem properen Mr. Cullen mal Privatunterricht anbieten sollte?“
Wisst ihr jetzt, was ich meine? Keine dabei, die wirklich meine Aufmerksamkeit verdient… Früher war das alles anders. Da schätzte man die Tugenden noch hoch, da wurde noch bis zur Ehe gewartet
*Echt jetzt? Ne, oder?!*
und es galt auch für Frauen erstrebenswert, ihre Jungfräulichkeit bis zum Richtigen zu behalten. Ach, je! Ich werde schon wieder melodramatisch...
Jetzt aber genug von den guten alten Zeiten geschwärmt. Sie sind nämlich vorbei…leider.
Zurück zur Realität und den kalten, harten und vor allem nackten *hihihi* Tatsachen. Wie soll ich meine Schöne nur bloß finden? Ich kann mich ja schlecht mitten in die Mall in Port Angeles stellen und rufen:
„Welt! So höret mich an! Edward Anthony Masen Cullen ist hier! Wo ist die andere Hälfte meiner Seele?“
Auf diese Aktion gibt es nur zwei mögliche Szenarien:
Erstens: Die Inkarnation reiner Schönheit befindet sich zufälligerweise in dieser Mall und zufälligerweise hört sie mich auch noch und ganz ganz gaaaanz zufälligerweise sieht sie mich auch. Und zeigt, durch die Offenbarung meiner seelischen Leiden, berührt Interesse an meiner Wenigkeit, doch wird sie sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,999% von mir abwenden, weil sie denkt, ich gehöre in die Anstalt. *Wer kommt dann bitte zu sooo einer Annahme?*
Schlussendlich werde ich ohne Liebe den Rest meines Daseins dahinsiechen und qualvoll verenden…wenn ich denn noch am Leben wäre.
Das zweite durchaus wahrscheinlichere Szenario: Die Inkarnation reiner Schönheit befindet sich nicht zufälligerweise in besagter Mall, zufälligerweise hört sie mich demzufolge auch nicht und kann zufälligerweise auch keinen Blick auf mich werfen… auf meine seidigen, glänzenden, bronzefarben schimmernden Haaren, meine bernsteinfarbenen Augen und ja…schlichtweg auf meinen gesamten adonisgleichen Körper.
Jedoch sehen und hören mich die anderen Mitmenschen umso deutlicher, denken, dass ich der Anstalt entflohen bin und rufen die Götter in weiß um mich wieder sicher verwahren zu lassen…hey würd´ ich an deren Stelle auch nicht anders machen…
Schlussendlich sieche ich ohne Liebe für den Rest meines Lebens dahin und verende qualvoll…wenn ich nicht schon tot wäre und als kleiner Gaumenschmaus dürfte ich den Herren der Medizin auch noch erklären, warum ich nicht älter werde und sterbe.
Gut…die Idee mit der Mall lassen wir mal schön bleiben.
*Hey Großer! Wie wäre es denn mit Kontaktanzeigen?!*
>Boah du Nudel hat dich jemand gefragt?! Aber gar nicht so übel die Idee, kannst also doch in geordneten Bahnen denken, hm?<
Gesagt getan. Ich denke mir einen Text für meine Kontaktanzeige aus. Mhm…mal sehen.
Jungfrau (108), männlich, sucht… Erlösung.
Natürlich nur von seelischen Leiden. *Und wer kümmert sich dann um unsere statueske Physik?*
Paris sucht seine Helena.
Aussehen: groß, schlank, trainiert, seidenweiches bronzeschimmerndes Haar, nicht zu vergessen die bernsteinfarbenen Augen…
Charakter: Gibt dem Ideal des Gentlemans zu Beginn des 20. Jahrhunderts die perfekte Form…
Motto: Carpe noctem (für Nicht-Lateiner: Nutze die Nacht)
Traumfrau: rehbraune Augen, schokoladenbraune Haare, muss mich für eine griechische Gottheit halten.
Bitte melde dich! Ich will dich umgarnen, umschwärmen, den Boden küssen auf welchem du wandelst, dich auf ein Podest stellen und dir huldigen. *Scheiß Romantiker! Wo bleibt der Spaß?*
Alles was mein ist trage ich mit mir, doch mit einem Flügel kann man nur schwerlich dem Himmel entgegenfliegen. * würg..*
*Ui ja das klingt spitze! Aber ist das nicht ein bisschen zu präzise und zu…unmännlich?*Drohend kniff ich meine Augen zusammen.
*Ist ja schon gut! Bin ja schon still…vorerst…* Mhm…wo soll ich dies Kontaktanzeige bloß aufgeben? Klassisch elegant in der Zeitung oder doch modern sein, etwas wagen, futuristisch denken, die neuen Medien nutzen und mich mit dem Internet auseinandersetzen? Mal überlegen… Definitiv die Zeitung!Und die Menschen waren nur mit Zeitung auch nicht dümmer als heute! (schwärm, die guten alten Zeiten!)
Ob es wohl einen Rückschritt in der Evolution gab um die neue menschliche Gattung der Kleinstadtpomeranzen hervorzubringen? Ich hoffe es meldet sich wirklich meine Helena und keine von jenen unsagbaren Wesen.

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