*Ich auch, Großer!... Ich auch!*
Als meine Geschwister in meinen geliebten Volvo einstiegen, war ich immer noch nicht ganz ich selbst.
Alice, dieser kleine Kobold wusste etwas, da war ich mir ganz sicher, denn sie hatte so ein ich-weiß-was-was-du-nicht-weißt-Grinsen im Gesicht, welches sie verriet, aber ich konnte nicht herausfinden, was genau das war. Irgendwie hatte sie es tatsächlich geschafft, ihre Gedanken für mich zu sperren.. Aber Herr Gott, ich WOLLTE sie erfahren, ich MUSSTE sie einfach erfahren…
*Hey hey können wir nicht einmal den Duracellhasen auf LSD unter Druck setzen? Ui, wie wäre es mit ihren Kreditkarten?*
Ach herrje, ich bin jetzt absolut nicht in der Lage, Rachepläne zu schmieden…
*Du bist echt krank! Und ich bin beleidigt… Es wäre so witzig gewesen. Überlege es dir, Großer… Das wäre gewiss voll der Hammer! DER Joke des Jahrhunderts, oder so!*
Ihr Duft…
Der Duft ihrer warmen weichen Haut, der Duft ihres wunderschönen braunen Haares und ihre Augen. So groß und schön, wie die eines unbedarften Rehs.
Den Heimweg über, schalt ich mich selbst einen Idioten.
*Kann ich mitmachen? Idiot! Riesengroßer, gigantischer Idiot… Ja, du Tölpel, wie konntest du denn auch nur? Ach, nein, wie kannst du es dir jemals, ich wiederhole jemals, verzeihen?*
Warum habe ich sie bloß nur angefasst?
Was hat mich da bloß geritten?
*Ich natürlich…wer denn sonst?! Und der Bock… *
Wie konnte ich meine Prinzipien, meine Ehre…
*Glaub mir, Junge, DIE hast du noch…*
… nur so schnell über Bord werfen?!Seit mehr als einem Jahrhundert wandle ich schon auf Erden, habe so viel gesehen. Wieso passiert mir das gerade jetzt?
*Natürlich wegen mir! Hast du noch nicht bemerkt, dass ich jetzt die Macht habe? Ich bin jetzt der Anführer, der Imperator… der.. ach, du weißt schon! Alles, halt!*
Ich sollte dringend mit Carlisle sprechen, vielleicht weiß er Rat, warum mich ein einziges Mädchen so fasziniert?
*Ganz einfach, Großer! Weil ICH will, dass sie dich fasziniert!*
Ich darf nicht weiter an sie denken, sonst endet das Ganze noch wie das letzte Mal.
*Fairytale gone bad…*
Äußerlich mit stoischer Ruhe gesegnet, doch innerlich eher Katrina (AN: Orkan Katrina, der die halbe USA verwüstete) ähnelnd begab ich mich Richtung Haus.
War Carlisle schon daheim?
Ich lief gemessenen Schrittes in sein Arbeitszimmer. Die anderen schauten mich an, als sei ich das achte Weltwunder und fragten sich gedanklich, wieso ich auf einmal so dermaßen aufgewühlt und fertig aussah… Das etwas ganz und gar nicht mit mir stimmte, hatten sie ja schon mitbekommen…Und ihre Unruhe und Sorge über mein Verhalten wuchs von Minute zu Minute. Nur Alice sagte nichts, sondern grinste nur unbeholfen, als ich die Tür zum Arbeitszimmers meines „Vaters“ öffnete.
Carlisle sah mich leicht verwundert an, doch er erkannte immer sofort, wenn mich etwas beschäftigte, schließlich war ich auf gewisse Art und Weise sein Sohn.
„Was bedrückt dich, Edward?“
Ich setzte mich. Das hier würde nicht einfach werden. Im Gegenteil…
*Im Leben ist nichts einfach, DAS weiß sogar ich! Es ist sogar ausnehmend hart, wenn man(n) es recht bedenkt… Life sucks and than you die!*
>Jaha, aber wie du immer sagst: Du bist schon tot…< äffte ich ihn nach. Irgendwie ist es schon seltsam, Witze mit und über sein nerviges Alter Ego zu machen, nicht wahr?
Nun ja, Carlisle sah mich noch immer abwartend an… Er zog eine Augenbraue hoch.
Ich sollte mal langsam anfangen zu erzählen…
"Ich hab ein Mädchen "kennen gelernt!" "ich malte mit meinen Fingern Anführungszeichen in die Luft. Carlisles Augen wurden vor Überraschung groß. Er ließ mich für einen kurzen Augenblick in seine Gedanken und ich erkannte die Hoffnung, die er auf dieses „Kennenlernen“ setzte…
„Keine Angst, sie liegt noch nicht bleich, tot und gänzlich ausgesaugt im Wald, wie du siehst…“ und deutete auf meine Augen.
*Jaja, wenn die Situation scheiße ist, hilft nur noch Galgenhumor…*
„Nun ja, das Mädchen, sie… fasziniert mich!“
*Also faszinieren, Großer, ist hier ein wenig untertrieben.. Du kennst noch nicht einmal ihren Namen und erhebst sie schon in den Himmel… Du hast echt manchmal Probleme!*
Ein kleines Lächeln bildete sich in Carlisles Mundwinkeln, aber seine Gedanken hielt er jetzt sorgfältig unter Verschluss. Was gäbe ich jetzt dafür, sie hören zu können! Wäre es Angst, Misstrauen.. oder gar und das ist vielleicht schlimmer, als alles andere - vielleicht Vorfreude - was ich hören würde?
„Das Problem ist, und ich schäme mich wirklich, es irgendjemandem gegenüber zugeben zu müssen, dass ich Angst habe… Ich meine, ich habe keine Angst vor dem Menschen, das wäre ja noch schöner, aber ich habe Angst vor dem, was sie für mich darstellt!“
Frustriert fuhr ich mir durch mein sensationell seidiges bronzeschimmerndes Haar.
*Nicht schon wieder… Kannst du das mal bitte ein einziges Mal sein lassen.. Was hältst du mal von einer anderen Angewohnheit? Also Palme polieren.. oder den Stab zum Glitzern bringen.. wären hier zu empfehlen… Aber gut, Großer, erzähl weiter.. ich bin ganz Ohr!*
„Weißt du, ich will nicht, dass das Ganze böse endet, sollte ich mich auf sie einlassen…“
*Fairytale gone bad…*
„Ich brauche deinen Rat… Weißt du noch, als ich damals mit roten Augen nach Hause kam?
Es war 1925.
Wir waren damals in Chicago, wie du dich zwangsläufig erinnerst…
Ich hab dir nie erzählt, wie es passieren konnte, aber ich hab die Enttäuschung in deinen Augen gesehen…“
….
Flashback (Chicago 1925):
Der erste Weltkrieg ist sieben Jahre her (Ende: 11. November 1918), ebenso meine Verwandlung. In diesem Jahr gab es viele bedeutende Ereignisse, die nachher zu wahrlichen Katastrophen mutierten…
Hitlers „Mein Kampf“ wurde veröffentlicht, die SS (Schutzstaffel) gegründet... ach und nicht zu vergessen, der schwere Tornado, der über die Vereinigten Staaten zog. Ja, das war ein stolzes Lüftchen... 2000 Tote und unzählige Verletzte. Es gab in diesem Jahr kaum etwas positives.. für mich schon gar nicht.
Ich weiß noch … Im Frühjahr 1918, kurz vor Ende des Weltkrieges - was ich da aber noch nicht wusste - ich wollte kämpfen, in den Krieg ziehen, wollte, dass mein Vaterland stolz auf mich sein konnte und vor allem wollte ich als Held aus dem Krieg zurückkehren… Ja, Patriotismus ist was schönes, nicht wahr?
Daraus wurde nichts…Die Spanische Grippe holte mich kurz danach, im Mai 1918, oder zumindest fast… aber auf jeden Fall holte sie meine Eltern!
Sieben lange Jahre… in denen ich lernte mich zu beherrschen, mich von Tierblut zu ernähren.
Endlich konnten wir in die Stadt zurückkehren. Chicago, der 1925er Jahre, ist wirklich wundervoll. Stadt des Jazz (Louis Armstrong etc.), der kriminellen Syndikate und der Prohibition.
Carlisle, Esme und ich…Endlich wieder in der Stadt, ich habe den Esprit und die Kultur so vermisst.
Sieben Jahre, fast gänzlich abgeschieden von jeglicher Zivilisation, weil ich noch nicht „bereit“ war.
Ich würde Esme und Carlisle überreden, mit mir an einer kulturellen Soirée teilzunehmen.
Zurzeit war es am günstigsten für uns, dass ich mich als Carlisles Bruder ausgebe, denn er sah definitiv nicht alt genug aus, um mein Vater zu sein.
Meine Mutter war schon so lange tot. Ich erinnere mich kaum noch an ihr Gesicht, an ihre Stimme.. an ihren Geruch! Egal, wie sehr ich mich auch anstrenge… Es sind so undeutliche menschliche Erinnerungsstücke. Ich erinnere mich nur noch ein wenig an unser Haus, einen mittelgroßen Backsteinbau… Es war Frühling und um den Schein zu wahren, ging ich mit Esme auf den Markt. Es wäre doch sicherlich vorteilhafter für uns, wenn wir wenigstens den Anschein erwecken, Lebensmittel im Haus zu haben…
Es war bewölkt.
Wir schlenderten über den größten Markt von Chicago. Esme besah sich die Stoffe, aus denen sie nachher ein Kleid nähen wollte. Sie machte so unheimlich gerne Handarbeiten. Ich verglich mit ihr gerade die Preisunterschiede zwischen dem nordöstlichen Markstand von Mister Smith und dem südlichen von Miss Abrahams, als…
Dort stand sie, am Orangenstand und besah sich die angebotene Ware.
Ich stellte mich neben sie.
Genug Abstand, um den Anstand zu wahren und doch nah genug, um ihren herrlichen Duft einzuatmen.
„Darf ich fragen, ob Ihnen die Früchte zusagen, Misses…?“
Sie sah mich an. Alles an mir, meine Stimme, mein Aussehen, lockte sie an.
Ich war das gefährlichste Raubtier der Welt. Ihre rotgoldenen Locken waren ihrer Haube entwischt und rahmten ihr Gesicht wundervoll ein. Ihrem Aussehen nach zu urteilen, dürfte sie die 20 Jahre noch nicht überschritten haben. Sie trug ein Dienstbotenkostüm. Es machte den Anschein, als ob sie für ihre Dienstherren den wöchentlichen Einkauf zu verrichten hatte.
Ihre blassgrünen Augen musterten mich interessiert und aufmerksam, bevor sie antwortete:
„Caitlin“
Mhm… das hatte ich mir fast gedacht, dass sie irischen Ursprungs war. Darauf ließen ihre blasse Haut mit gesprenkelten, einzelnen Sommersprossen und die rotgoldenen Haare schließen…
„Nun denn, wir sehen uns bestimmt wieder, schöne Caitlin!“
Ich ließ meinen Charme spielen und sprach ihren Namen bewusst in ihrer Muttersprache aus. Mit Esme ging ich weiter. Sie hatte inzwischen einen blauen Stoff gefunden und überlegte gedanklich, ob sie den flatterhaften, zarten Modestil des französischen Edeldesigners Luden Lelong nachahmen könnte.. Ein oder zwei eingearbeitete Falten hier und dort würden ihrer Meinung nach den neusten Schick der Exposition de Arts Décoratifs perfekt machen…
Wir befanden uns auf dem Weg nach Hause, die Dämmerung setzte gerade ein. Es ist die Stunde des Überganges. Vergangenes bleibt vergangen, während die Zukunft immer noch im Dunklen bleibt…
Da hörte ich etwas.
Da wurde jemand geschlagen.
Eine Frau.
Ich hörte den Mann brüllen. Er schimpfte wie ein Kesselflicker über alles und jeden und hörte sich sehr betrunken an.
Hatte dieser Bastard nie gelernt, dass man sich einer Frau gegenüber stets respektvoll verhält?!
Ich wollte ihr helfen und ohne zu zögern, stürmte ich die dunkle Gassen entlang. Da war sie wieder…
Caitlin.
Dieser ungehobelte Flegel wollte gerade nochmals ausholen und mit Höchstgeschwindigkeit, also einen Sekundenbruchteil später, hielt ich ihn auf.
Ich stieß ihn an die Wand, wo er sichtlich betrunken zusammenklappte und bewusstlos liegen blieb.
Wohl wieder einer jener, die keinen Job mehr besitzen, sich stattdessen unaufhörlich betrinken müssen und darüber hinaus dann ihre Familie vernachlässigen, wenn nicht sogar misshandeln.
Eigentlich empfand ich zuweilen Mitleid mit diesen mehr oder weniger verlorenen Seelen, aber in der Dämmerung einem Mädchen aufzulauern, um sie eventuell zu Dingen zu zwingen, die jeglicher Ehre und Moralvorstellung zuwider sind… Nein, das ging selbst über meinen Verstand.. Ich wollte diesen Bastard zerquetschen wie eine Fliege, aber ich hielt mich, auf Grund der Entdeckungsgefahr, zurück.
„Danke…“
Sie, die kleine Dienstbotin, sah mich fragend an.
„Edward“
„Danke Edward!“
„Gern geschehen. Wer war das?“
„Ich kenne ihn nicht. Er hat mir aufgelauert!“
„Ich werde dich nach Hause begleiten!“
Gesagt getan. Ich unterhielt mich mit ihr. Sie war von erfrischendem Geist, mit einer natürlichen Intelligenz und sprühendem Frohsinn.
Sie arbeitete für einen von Carlisles Kollegen als Dienstmädchen.
Ich freute mich so sehr, das ich sie gerettet hatte, bevor sie diese… Entehrung hätte erleiden müssen.
Eine Frau verdient Respekt und es sollte alles aus Liebe und Zuneigung geschehen… Nicht, wenn irgendwelche niederen Instinkte die Macht über die, zuweilen abartige Kreatur des Mannes, übernehmen… So hatten es mir meine leiblichen Eltern und auch später Carlisle und Esme beigebracht und es wurde zu einem verinnerlichten Gedankengut für mich.
Am Haus angekommen, überreichte ich ihr ihre Einkäufe und verabschiedete mich galant, mit einem Handkuss.
Ihre Wangen überzogen sich mit einer entzückenden Röte.
Ich kehrte ihr den Rücken zu. Hoffte, das sie aufgrund, der nicht selbst verschuldeten Verspätung keinen argen Ärger bekommen würde. Ich sollte vielleicht mit Carlisle reden, damit der seinen Kollegen einweiht. Ich wusste ja nicht, zu welchem Schluss man gelangen könnte, wenn Caitlin und ich so offen auf der Straße gesehen würden und ich, galant wie ich nun mal war, mich bei ihr mit einem Handkuss verabschiedete.
Zwischen Caitlin und mir entwickelt sich über den Sommer hinweg eine tiefe Freundschaft, obwohl ich es hätte besser wissen sollen, angesichts des Monsters, welches ich tief in mir verberge.
Wir gingen ab und zu ins Cafe, spazierten im Park, ich lud sie zu einem Essen in einem sündhaft teuren Restaurant ein… Schenkte ihr ab und zu ein Kleid, einen Schal oder einfach mal eine Brosche.
Und sie begann sich langsam Gedanken, über eine mögliche Zukunft mit mir zu machen…
Eines Abends, es war Ende September ging ich mal wieder zu Caitlin. Ich besuchte sie so oft ich konnte.
Und vor allem, wie oft sie konnte, den ihre Dienstpflichten als Haushaltshilfe ließen nur einen beschränkten Spielraum zu.
Sie befreite mich mit ihrem Witz und Charme, für kurze Zeit, aus meiner obligatorischen Düsternis, welche mir durch meine unsterbliche, verfluchte Existenz auferlegt war.
Denn noch immer haderte ich tief in mir mit meinem Schicksal. Auch nach sieben Jahren noch.
Mit ihr fühlte ich mich frei, ungezwungen, ja fast menschlich.
Ich wusste nicht genau, was ich für sie empfand. Aber ich war mir sicher, das es nicht die große, unwiderrufliche Liebe war.
Ich hätte es besser wissen müssen, meiner innere Stimme warnte mich in einem fort.
Wir wollten wieder einmal im Park spazieren gehen und über Gott und die Welt reden.
Es war ein lauer Spätsommerabend und langsam setzte die Kühle des Herbstes ein. Natürlich spürte ich die Kälte nicht, aber merkte es daran, das sie sich ein Jäckchen über ihr blassblaues Kleid angezogen hatte.
Ich genoss ihre Gesellschaft und trotz aller Standesgrenzen und den Schein, den ich zu wahren hatte, wollte ich mit Caitlin befreundet sein. Was bedeuteten Standesgrenzen, wenn man jemanden mochte?
Im Park passierte es.
Caitlin, die mir so sehr ans Herz gewachsen war, stolperte über eine Wurzel, die in der einsetzenden Dämmerung schlecht zu sehen war. Ich bemerkte es zu spät und konnte ihren Sturz nicht mehr verhindern.
Sie schlug sich die Hände auf.
Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ergriff ich ihre Hand, um ihre Wunde zu begutachten.
Diese Banalität wurde ihr und mir schließlich zum Verhängnis.
Oh Gott, ich hätte es doch besser wissen sollen.
Ich hätte die Beine in die Hand nehmen sollen und so schnell und weit laufen sollen, wie mich meine Füße trugen!
Der süße Duft ihres Blutes stieg mir in meine Nase, mein empfindlicher Geruchssinn empfing jede einzelne Nuance dieses wunderbaren chemischen Gemisches.
Oh nein…! Nicht Caitlin!!!
Ich konnte es nicht! Wieso war ich nur so unfähig, mich zurückzuhalten?! Sieben, lange, sehr lange Jahre hatte ich gekämpft, um jetzt für einen Moment, einen bittersüßen, tragischen Moment, die Kontrolle zu verlieren.
Der Gentlemen in mir verlor die Contenance und das fürchterliche Fragment meiner Selbst gewann…
Ich versuchte mit allem, was ich an Selbstbeherrschung aufbringen konnte dagegen anzukämpfen, doch ich scheiterte deplorabel...
Es, das Monster in mir, schlug seine rasiermesserscharfen Zähne in den Hals der geliebten Freundin, saugte gierig das heiße Nass in sich hinein, leerte sie bis auf den letzten Tropfen des köstlichen, roten Lebenssafts.
Am nächsten Morgen stand in der Zeitung, das eine weibliche Frauenleiche im Park gefunden wurde. Es bestand nicht der geringste Verdacht eines sexuellen Hintergrund, sondern die Beamten standen eher vor einem Rätsel, was die Todesursache anging… Das Opfer, 19 Jahre alt, Dienstmädchen eines angesehenen Arztes, wurde auf dem Nordwestfriedhof der Stadt beigesetzt.
An jenem schicksalshaften Tag beschloss ich, dass ich niemals wieder einem weiblichen Wesen so nahe kommen würde, als das solch ein tragisches Unglück noch einmal geschehen könnte, welches mich endgültig in die Arme von Depression und Düsternis treiben würde.
Flashback Ende….„
"Nun weißt du es, Carlisle. Was soll ich tun?“
Ich hörte erneut das kurze Aufflackern seiner Gedankenzüge. Sie verrieten mir mein Gesicht, an dem Tag, als ES geschah. Hervorgerufen aus der unvergänglichen und perfekt detaillierten Erinnerung eines Vampirs.
Carlisle seufzte beinahe innerlich auf, ob dieses Geständnisses, da ich mich, jedenfalls, bis mich dieses Mädchen aus der Schule so aus der Fassung brachte, nie getraut hatte ihm die Wahrheit, die volle, erbärmliche Wahrheit, zu gestehen.
Alles in mir drängte danach, in ihrer Nähe zu sein.
Ich verspüre den absurden und doch so hoffnungsvollen Wunsch, dass wir Freunde werden. Ich war durch meinen gedanklichen Zwiespalt zutiefst zerrissen.
„Soll ich vor ihr davonlaufen oder soll ich sie einfach ignorieren und hoffen, dass die Faszination, die sie auf mich ausübt, abebbt?!"
„Nun mein Sohn, es ist geschehen und kann nicht mehr ungeschehen werden, aber für das, was da komme, sorge mit wachsamen Sinn.
Ich denke nicht, dass du das Mädchen ignorieren solltest, wenn dir etwas an ihr liegt. Es würde dir auch gut tun, dich mit jemandem anzufreunden, ein Leben zu leben, obwohl wir nicht grade dazu prädestiniert sind, Freundschaften zu schließen. Du hast es verdient. Ich denke auch nicht, dass du eine große Gefahr für das Mädchen darstellst.
Du unterdrückst deinen Durst nun schon so lange und deine Selbstbeherrschung ist auch nicht die schlechteste.
Das mit Caitlin ist nun schon Jahrzehnte her. Ich will damit nicht sagen, dass du dieses tragische Unglück vergessen sollst, ich will dich lediglich darauf hinweisen, niemals außer Acht zu lassen, dass du für sie potenziell gefährlich werden könntest.
Wie man immer so schön sagt: Zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber, mein Sohn, ich würde dir raten, das Mädchen einfach mal kennen zu lernen, stoße sie nicht von dir und du wirst sehen, wohin es führt.“
<So lange schon bist du allein. Ein Einzelgänger, schon immer gewesen! Es wird mal langsam Zeit, das du dein Leben auch in einer anderen Perspektive kennenlernst, Junge!> fügte er gedanklich seiner Rede noch hinzu…

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